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Eine kleine Heimatkunde über Hochneukirch

 

Die Mühle:

Das Baujahr der Hochneukircher Mühle ist nicht genau bekannt, doch die vorbeiführende Staße wurde schon 1370 "Mühlenweg" genannt, was darauf schließen läßt, dass zu diesem Zeitpunkt dort schon eine Mühle stand. Zum Bau sind Feldbrandsteine benutzt worden. Die Herstellung dieser Steine war schon im 14. Jahrhundert bekannt, und es ist anzunehmen, dass unsere Mühle schon zu dieser Zeit erbaut wurde. Urkundlich erwähnt wird die Mühle erst Ende des 30-jährigen Krieges 1648. Die Windmühlenflügel wurden am 9.7.1888 abgebaut. Der Antrieb der Mühlräder erfolgte danach mit einer 3 PS Dampfmaschine, die 1936 durch einen Elektromotor ersetzt wurde. Nach den früheren Besitzern Hahne, Greven (der nebenbei im Mühlenanwesen eine Schankwirtschaft betrieb) und Heinrich Lenssen wurde 1936 Hermann Krahwinkel Mühlenbesitzer. Bis 1958 drehte sich im Inneren des Mühlenturms das Mahlwerk. Hermann Krahwinkel und Sohn Jakob bauten den Wagen- und Mehlschuppen zu einer Gastwirtschaft um und eröffneten Silvester 1956 die Gaststätte "Zur Mühle". Später wurde der untere Teil des Mühlenturms mit in die Gaststätte einbezogen. Mit Hermann Josef Krahwinkel war die Mühle in dritter Generation ein beliebtes Gasthaus und Ausflugsziel. Doch der Zahn der Zeit nagte an der Mühle, und wenn man sie nicht unter Denkmalschutz gestellt hätte, ware sie vermutlich abgerissen worden. Fabrikant Herbert Baumanns aus Mönchengladbach erwarb sie und baute sie vollständig um. Im Untergeschoß des Mühlenturms enstand 1987 ein Musik- und Kunstforum für Konzerte und Austellungen aller Stilrichtungen, dem ein Bistro angegliedert war. Der obere Mühlturm und das Müllerhaus wurden zu Wohnungen umgebaut.

 

Der Behrenstein:
Laut einer in Latein geschriebenen Urkunde ist folgendes geschehen:
"Hochneukirch, am 30.11.1744.
Ein mit Sicherheit unschuldiger Mann wurde auf schreckliche Art von Theodor von Behr ermordet. Dies behauptet Nicolas Goerens, Schuster in Gladbach, der die unmenschliche Tat des Theodor von Behr gesehen hat. Nicolaus Goerens behauptet der Ermordete trägt den Namen Arnold Tonnessen. Nachdem in den frühen Stunden am Festtage des Heiligen Apostel Andreas der leblose, tote Körper auf dem Acker am Wege Richtung Jüchen gefunden worden war, wurde der Leichnam am 6. Dezember nach Hochneukirch (Neukirchen) gebracht und nach Überprüfung durch das Gericht, durch trauernde Freunde und alle Familienmitglieder traditionsgemäß der Erde übergeben und begraben. Der Ermordete wohnte im Bezirk Anhoven und hinterließ Frau und drei Kinder. Der Mörder Theodor von Behr und seine Köchin, die unzweifelhaft seine Komplizin war, sind in der Zwischenzeit geflohen. Wohin sie auch fliehen, der göttlichen Vergeltung können sie nicht entkommen."
Zum Gedenken an diesen Mord setzte Anna Amalia von Hartmann, geb. von Behr, die Schwester von Theodor von Behr, einen Gedenkstein: den Behrenstein.
Fast 230 Jahre stand der Behrenstein zum Gedenken an der Stelle, wo die Tat geschah. Heute steht er im Altenpark neben dem Friedhof (Theodor-Heuss-Straße). Früher lautet die Geschichte genau anders herum, dass Theodor von Behr ermordet wurde. Dies ist aber wohl ein Übersetzungsfehler aus dem Lateinischen.

 

Der Bahnhof:
Es war der 03.10.1873, als Hochneukirch endlich eine Verbindung zur Welt hatte und der erste Zug der Bergisch-Märkischen Eisenbahn von Mönchengladbach durch Hochneukirch über Jülich nach Stolberg fuhr. Schon seit ca. 20 Jahren hatte in Hochneukirch die Industrialisierung begonnen, hauptsächlich in der Textilherstellung. 1873 waren immerhin 10% der 2390 Einwohner Textilarbeiter. 150 Arbeiter beschäftigte allein die mechanische Spinnerei Lindgens Erben, und 80 Arbeiter waren in der Weberei Brunner beschäftigt. Darüber hinaus arbeiteten 80 Hochneukircher in der Zigarrenfabrikation. Eigentlich sollte die 1889 gebaute Bahnstrecke Mönchengladbach - Grevenbroich über Giesenkirchen gehen, aber einige Hochneukircher nutzen ihre Beziehungen um die Strecke über Hochneukirch bauen zu lassen. Der Hochneukircher Fabrikant Peter Busch setzte sich mit einigen ihm bekannten Berliner Landtagsabgeordneten in Verbindung. Der hiesige Pastor Martin Köllen wandte sich an den Oberhofmeister der Kaiserin Augusta. Am 01.05.1889 wurde die Strecke Mönchengladbach - Grevenbroich über Hochneukirch dem Verkehr freigegeben. Zum Dank für ihren Einsatz ehrte Hochneukirch Peter Busch und Martin Köllen, indem die Straßen links und rechts vom Bahnhof ihre Namen erhielten.
Am 30.05.1981 wurde die Strecke Richtung Jülich stillgelegt und 1987 wurden die überflüssig gewordenen Gleise zurückgebaut.

 

Peter-Bamm-Halle:
Woher hat die Peter-Bamm-Halle eigentlich ihren Namen? Als der Rat der ehemaligen Gemeinde Hochneukirch am 09.09.1974 beschloss, die neue Mehrzweckhalle, die auf dem Gelände des früheren Wilhelm-Helenen-Stiftes errichtet wurde, auf den Namen Peter Bamm zu taufen, kannten viele Bürger unseres Ortes diesen Namen gar nicht.
Wer war Peter Bamm ?
Peter Bamm, der mit bürgerlichem Namen Dr. Curt Emmerich hieß, wurde am 20.10.1897 in Hochneukirch geboren und verbrachte auch hier seine ersten Lebensjahre. Der Vater war Betriebsschlosser bei der Firma J.A. Lindgens Erben und verstarb mit 43 Jahren. Nachdem er auf dem hiesigen evgl. Friedhof beerdigt worden war, zog Frau Emmerich mit ihrem Sohn nach Sachsen. Später hat dann Curt Emmerich mit dem Medizinstudium begonnen und war als Schiffsarzt, Kassenarzt und Chirurg tätig. Bereits im Jahre 1923 begann er zu schreiben und sich schriftstellerisch zu betätigen. Von ihm erschienen über ein Dutzend Bücher. Alle seine Werke waren nationale und internationale Erfolge und sind in Millionenauflage erschienen. Unter dem Pseudonym "Peter Bamm" wurde Dr. Curt Emmerich in der ganzen Welt bekannt.
Er starb am 30.03.1975 in der Schweiz, nur wenige Monate nach der Einweihung der nach ihm benannten Halle.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Bamm

 

Die kath. Kirche St. Pantaleon:
Das genaue Baujahr der ersten kath. Kirche in Hochneukirch ist ungewiß. Im "Liber Valoris" (Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe) wird im Jahre 1312 erstmals eine Kirche St. Pantaleon urkundlich erwähnt. Diese erste Kirche, in der 500 Gläubige Platz fanden, wurde mit der Zeit baufällig und zu klein. Am 29.06.1869 wurde der Grundstein zu einer dreischiffigen, neugotischen Hallenkirche gelegt. Die Kirche wurde vom Bauunternehmer Lenders aus Mönchengladbach nach den Plänen Nagelschmidt aus Köln gebaut und 1870 fertiggestellt.
Aus der alten Kirche wurden die ältesten Zeugen der Geschichte unseres Ortes in die neue Kirche übernommen: Die beiden Glocken. Die größere Glocke trägt die Inschrift: Anno Domini 1448 per manus magistri Johannes in Venlo "Ave Maria".
Auf der kleineren ist zu lesen: Anno Domini 1448 Pantaleon.

 

Der Name "Hochneukirch":
Der Name "Hochneukirch" ist noch gar nicht so alt. Der Ort hieß früher Neukirchen. Die postalische Bezeichnung lautete vor dem Jahre 1873 "Neukirchen bei Wickrath" oder "Neukirchen bei Odenkirchen". Beim Ausbau der Bergisch-Märkischen Eisenbahn "Mönchengladbach - Jülich" wurde der Vorschlag gemacht den Ort in "Hochneukirchen" umzubennen, um ihn von den vielen anderen Orten mit der selben Bezeichnung zu unterscheiden. Post und Eisenbahn begrüßten diesen Vorschlag. Somit wurde im Jahre 1873 ein entsprechender Antrag an die preußische Staatsregierung eingereicht und am 25.08.1873 von dort genehmigt. Obwohl der Antrag lautete, Neukirchen in Hochneukirchen umzubennen, heißt es in der Preußischen-Kabinetts-Verfügung: "Auf den Bericht vom 21.08.1873 will ich die Umänderung des Namens der bei Wickrath im Kreise Grevenbroich gelegenen Gemeinde Neukirch in Hochneukirch hierdurch gestattet..." Das "en" ist also fortgefallen. Wo der Irrtum verschuldet ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

 

 

Quelle: Hochneukirch und seine Bürger (1990)

 

 
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