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Auszug aus der Geschichte von Hochneukirch

Zwischen Jülicher Börde und Gilbach, ungefähr dort, wo die Wasserscheide von Niers und Erft ist, umgeben von flachen, ertragreichen Feldern liegt Hochneukirch.

Wie schon vermuten lässt, hat unser Ort Hochneukirch seinen Namen von der "Hohen Neuen Kirche". Aber den Namen Hochneukirch gibt es erst seit dem Jahre 1873. Drei Jahre zuvor, im Jahre 1870, wurde die "Namensgeberin", die kath. Pfarrkirche "St. Pantaleon" erbaut.

Kath. Kirche St. Pantleon zu Hochneukirch im Jahre 1979

Davor hieß unser Ort Neukirchen (auch geschrieben: Nuenkirgen, Neuwenkirchen oder Neuenkyrken) . Auch diesen Namen hat unser Ort von der "Neuen Kirche". Das genaue Baujahr der ersten katholischen Kirche ist ungewiss. Im "Liber Valoris" wird im Jahre 1312 erstmals die Kirche St. Pantaleon urkundlich erwähnt. Leider lässt sich nicht mehr zurückverfolgen, wie unser Ort genannt wurde, bevor hier die erste kath. Kirche erbaut wurde.
Anscheinend wurde die Ansiedlung „erst“ in der letzten Rodungsperiode des Mittelalters gegründet. Die nahe Umgebung von Hochneukirch war schon sehr früh besiedelt. Das beweisen alte Urkunden und viele Funde aus der Frühzeit, die bestätigen, dass der Mensch rund um Hochneukirch schon sehr früh sesshaft war.
z.B. wurden in Odenkirchen, Borschemich, Keyenberg, Wickrathberg usw. einige Fundplätze aus der Jungsteinzeit entdeckt.
Daß die Fläche, worauf sich Hochneukirch angesiedelt hat, von der frühen Besiedlung ausgeschlossen war, mag die höhere Lage bedingen, vor allem der hier vorhandene, undurchdringliche Hochwald mit seinem dichten Unterholz und die weite Entfernung von der natürlichen Wasserquelle, der Niers.

 

 

Schulen in Hochneukirch

Die erste Erwähnung der Schule von Hochneukirch stammt aus dem Jahre 1560. Damals gab es allerdings noch keine Schulpflicht. Gerade bei der hisigen Landbevölkerung hatte Feld- und Handarbeit einen wesentlich höheren Stellenwert, als so "unnützes Zeug" wie Lesen und Schreiben. Durch ein Feuer wurde die Schule 1642 vollständig zerstört und 1660 wieder aufgebaut. Im Jahre 1825 wurde dann die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Im Jahre 1840 beschloss man, eine neue, zweiklassige Schule mit Lehrerwohnung zu bauen, da die alte Schule zu klein geworden war. Diese Schule wurde an der heutigen Rathausstrasse gebaut und bis ins Jahr 1860 gingen sogar Kinder aus Holz, Hackhausen, Kamphausen und Dürselen dorthin.

Durch die Hochneukircher Industrie nahm die Bevölkerung so rasch zu, daß man sich entschloss bereits im Jahre 1867 eine zweite Schule in Hochneukirch, diesmal auf der Bahnhofsstrasse , zu erbauen. 1900 wurde das Gebäude noch mal erweitert und im Jahre 1910 wurde die heutige Grundschule gegenüber der Peter-Bamm-Halle erbaut.

Im Jahre 1953 wurde dann auf der Gartenstrasse ein weiteres Schulgebäude errichtet, daß eigentlich für die evangelischen Schüler gedacht war. Aber es wurde an die Hauptschule angegliedert, die im Jahre 1974 erbaut wurde. Im selben Jahr wurde auch die Sport- und Mehrzweckhalle "Peter-Bamm-Halle" erbaut und die alte Schule auf der Schulstrasse 7 (heute Rathhausstrasse) abgerissen.

Alte Schule auf der Schulstrasse, heute Rathausstrasse Die Peter-Bamm-Halle heute

Die Windmühle in Hochneukirch

Die Hochneukircher Mühle ist nicht nur eines der letzten Wahrzeichen unseres Ortes, sondern auch ein Stück Heimatgeschichte. Ihr Baujahr ist nicht genau bekannt, doch die vorbeiführende Strasse wurde schon 1370 "Mühlenweg" genannt. Urkundlich erwähnt wird die Mühle erst Ende des 30-jährigen Krieges 1648. Die Windmühlenflügel, die sich schon vor dem 30-jährigen Krieg im Winde gedreht haben sollen, wurden im Jahre 1888 abgebaut. Der Antrieb der Mühlräder erfolgte mit einer 3 PS Dampfmaschiene, die 1936 durch einen Elektromotor ersetzt wurde. Hermann Krahwinkel und Sohn Jakob bauten den Wagen- und Mehlschuppen zu einer Gastwirtschaft um und eröffneten 1956 die Gaststätte "Zur Mühle". Doch der Zahn der Zeit nagte an der Mühle, und wenn man sie nicht unter Denkmalschutz gestellt hätte, wäre sie vermutlich abgerissen worden.

Die Mühle vor der Renovierung Die Mühle nach der Renovierung

Hochneukircher Windmühle vor der Sanierung ca. 1985 und im Jahre 2003

Das Kaiserliche Postamt

Um 1794 wurden durch die Franzosen, die unser Gebiet besetzt hatten, die ersten Briefkästen aufgestellt. Diese wurden im Jahre 1816 vom preußischen Staat übernommen ab 1824 in ganz Preußen eingeführt.

In Hochneukirch soll 1840 die erste Posthilfsstelle eröffnet worden sein, die ehrenamtlich vom Kirchenmeister der Pfarre St. Pantaleon, Josef Schnitzler, geführt wurde. Ab 1862 übernahm Josef Gieren die Poststelle, die in dem neben dem Pastorat liegenden Haus auf der Hochstrasse, das er gekauft hatte, eingerichtet wurde.

Im Jahre 1867 erhielt Hochneukirch seine erste telegrafische Verbindung zur Außenwelt. Im Jahre 1890 (im Gründungsjahr des Heimatvereins) war die Bevölkerung auf ca. 2000 Menschen angewachsen und mit über 85000 Postausgängen und 70000 Posteingängen pro Jahr, war das kleine Postamt den Ansprüchen der Hochneukircher nicht mehr gewachsen. Man entschloß sich deshalb, ein posteigenes Gebäude zu bauen und nahm die letzte Baustelle an der Hochstrasse 88 zum Bau des neuen Postamtes. Es wurde 1891 fertiggestellt und hatte, laut preußischem Beschluss, den Zusatz "Kaiserlich" zu führen. Das neue "Kaiserliche Postamt" war ein Prachtbau, auf den alle Bürger stolz waren.

Im Jahre 1908 bekam unser Nachbarort Holz den ersten Fernsprecher. Dieser befand sich in der Gaststätte Paulussen. Erst Mitte der 20er Jahre, erhielten die Postboten Fahrräder und Postkarren. Dies war eine wesentliche Erleichterung, denn vorher mußten alle Wege zu Fuß absolviert werden und Pakete getragen werden. Anfang der 60er platze das Postamt wieder aus allen Nähten und es musste dringend renoviert werden. Da es jedoch weit in die Straßenkreuzung (Hochstrasse, Bahnhofstrasse, Poststrasse und Von-Werth-Strasse) hineinragte und eine Gefahr für den zunehmenden Verkehr darstellte, entschloss sich die Oberpostdirektion, im Jahre 1962, zum Bau eines neuen Postamtes hinter der alten Post.

Da über die Jahre hinweg, die neuen Medien immer mehr den "guten alten Brief" verdrängten, wurde das Hochneukircher Postamt im Jahre 1999 im Zuge der Rationalisierung entgültig geschlossen. Seitdem kann man seine Briefe und Pakete beim ehemaligen Schreibwarengeschäft Weckauf, auf der Bahnhofstrasse, abgeben. Aus dem alten Post-Gebäude ist mittlerweile das Casa-Wohnart-Geschäft geworden.

 

Bahnhof Hochneukirch

Im Jahre 1873 erhielt Hochneukirch endlich eine Schienenanbindung, die die aufkeimende Textilindustrie in Hochneukirch, weiter beflügelte. Der erste Zug der Bergisch-Märkischen Eisenbahn fuhr von Mönchengladbach durch Hochneukirch über Jülich nach Stolberg.

Die Stadt Mönchengladbach und die Handelskammer stellten an den Eisenbahnminister den Antrag, die Strecke Venlo-Köln zwischen Mönchengladbach und Grevenbroich über Giesenkirchen statt über Hochneukirch zu legen. Mönchengladbach versprach sich davon eine bessere Erschließung seines Hinterlandes. Industrie und Bevölkerung von Hochneukirch wünschten sich aber eine Streckenführung über Hochneukirch nach Grevenbroich und Köln. Aber Fabrikant Peter Busch setzte sich mit einigen ihm bekannten Abgeordneten im Berliner Landtag in Verbindung, und Pastor Martin Köllen wandte sich an den Oberhofmeister der Kaiserin Augusta, Graf Nesselrode-Ehreshoven. Durch des Grafen Vermittlung konnte Pastor Martin Köllen seine Wüsche dem Eisenbahnminister Maybach schriftlich mitteilen. Durch dessen persönlichen Einsatz, wurde die Eisenbahnlinie durch Hochneukirch im Jahre 1889 dem Verkehr übergeben.

Zum Dank für ihren Einsatz ehrte Hochneukirch Peter Busch und Martin Köllen, indem die Straßen links und rechts vom Bahnhof ihre Namen erhielten.

Doch es gab weitere Probleme: Um nach Hackhausen zu gelangen, musste man die Gleise überschreiten. In den ersten Jahren war dieser Übergang ungesichert. Erst nach einem Unglücksfall wurden Schranken angebracht.

Im Jahre 1909 sollte eine zweite Strecke zwischen Erkelenz über Wanlo und Keyenberg nach Hochneukirch gebaut werden. Aber diese Strecke wurde aus Geldmangel nie errichtet.

1911 wurde dann eine Eisenbahnbrücke zwischen Hochneukirch und Hackhausen gebaut. 1967 musste die Brücke um 60cm angehoben und unterfüttert werden, weil die elektrischen Loks eine Oberleitung bekamen. Die alte Eisenbahnbrücke wurde 1988 dann entgültig abgerissen und durch eine neue Stahlbetonbrücke ersetzt.

Bereits 1987 wurde der Güterverkehr entgültig in eingestellt und die überflüssig gewordenen Gleise (z.B. nach Jülich) wurden zurückgebaut. Heute gibt es nur noch 2 Gleise, nach Mönchengladbach und nach Köln.

Heute wird der marode gewordene Bahnhofsvorplatz und das gesamte Bahnhofsumfeld renoviert.

 

Der Kaiserplatz

Schon immer war der Marktplatz (Kaiserplatz, Friedrich-Ebert-Plaz) der Mittelpunkt des Ortes und der Treffpunkt der Hochneukircher Bevölkerung.

Im Jahre 1895 wurde auf Veranlassung von Fabrikant Peter Busch auf der Mitte des Marktplatzes ein ca. 8 Meter hoher Steigerturm, zu Übungszwecken der freiwilligen Feuerwehr, errichtet. Der Steigerturm wurde leider schon 1925 wieder abgerissen.

Bis heute wird der Marktplatz regelmäßig donnerstags auch als solcher genutzt. Und zwei mal im Jahr ist dort natürlich die Hochneukircher Kirmes.

Steigerturm

Das Wilhelm-Helenenstift

Im Jahr 1890 vermachte die verstorbene Maria Sybilla Lux der kath. Kirche rund 6,5 preussische Morgen, die zum Bau eines Kranken- und Waisenhauses genutzt werden sollte. Leider fehlten vorerst der Kirche die finanziellen Mittel. Erst 1898 wurde ein Krankenhaus erbaut, in dem auch ein Kindergarten, eine Näh-, Bügel-, und Kochschule eingerichtet wurde. Geführt wurde es von kath. Ordensschwestern. 1907 wurde der Kindergarten erweitert und 1909 gab es einen zusätzlichen Erweiterungsbau, in dem Fabrikarbeiterinnen untergebracht wurden.

Im ersten Weltkrieg diente es als Lazarett. Ab 1926 war es ein Alterheim, daß sogar viele Leute aus der Stadt Köln beherbergte.

Während dem zweiten Weltkrieg wurde es als Kreiskrankenhaus für Lungentuberkulose eingerichtet. Diese Einrichtung bestand bis zum Jahre 1950, danach kamen Patienten mit Dyphterie, Scharlach usw nach Hochneukirch.

Im Jahre 1966 wurde das Wilhelm-Helenenstift der Gemeinde im Tausch gegen Ackerland übergeben. Auf dem Gelände des Klosters befindet sich heute die Peter-Bamm-Halle, die Hauptschule und der Kindergarten.

Wilhelm-Helenenstift

Zum Schluss noch ein paar gemischte Bilder aus unserem Ort. Für eine Bildbeschreibung einfach die Maus auf dem Bild stehen lassen.

Das Herrenhaus Hof Busch-Bähren im Jahre 1989, auf der Hochstrasse neben dem ehemaligen Plus Der Bedienungsladen Weckauf von der Bahnhofstrasse um 1958, Dort gab u.a. Zigarren aus eigener Herrstellung.

Kreuzung mit Blick auf die Kirche Odenkirchener Strasse -De alde Kasern- heute Rheydterstrasse

Untere Bahnhofstrasse Untere Mühlenstrasse mit Schulhofzaun

 


Dies ist nur ein Auszug aus der Geschichte Hochneukirchs.

 

Quelle:

Hochneukirch und seine Bürger - Festschrift - 100 Jahre Heimatverein 1890 e.V. Hochneukirch - Pfingsten 1990

 

 
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